Vom Frauenstimmrecht zum Stimmrecht für alle

Ich bin 1970 geboren, mir wurde das Stimmrecht buchstäblich in die Wiege gelegt. Insofern war es für mich kein Recht, wofür es zu kämpfen galt, sondern ich wuchs mit der Überzeugung auf, dass es so «richtig» sei.

Ganz anders für die Generation meiner Mutter. Ein Recht wird einem erteilt. Und gegen das Frauenstimmrecht wehrten sich die Männer – denn sie hatten darüber zu entscheiden – in der Schweiz bekanntlich besonders lange. Das war in Thun nicht anders. Gerade die SP-Frauen fielen als unermüdliche Aktivistinnen auf, die keine Mühe scheuten. Sie waren hartnäckig, kreativ und zuversichtlich. Selbst die Themen sind damals wie heute offenbar die gleichen geblieben: Umweltschutz, Stärkung und Vernetzung der Frauen für die politische Arbeit, Jugendarbeit, Gleichstellung, Unterstützung für ein selbstbestimmtes und würdiges Altwerden.

Für mich stellte die Nicht-Wahl in den Bundesrat von Christiane Brunner und die anschliessende Wahl von Ruth Dreifuss den politischen Aufbruch dar. Heute trage ich die Sonnenbrosche voller Stolz, denn sie erinnert mich daran, dass wir es nicht zulassen dürfen, dass wir übergangen werden.

Deshalb freute ich mich letzten Samstag besonders, als Ruth Dreifuss an der Delegiertenversammlung der SP Schweiz das Stimm- und Wahlrecht für alle forderte. Wer mindestens fünf Jahre in der Schweiz wohnt und hier Steuern bezahlt, soll mitentscheiden können. Bis 1971 war die Mitbestimmung ausschliesslich den Männern vorbehalten. Heute ist davon ausgeschlossen, wer nicht über das Schweizer Bürger*innen-Recht verfügt. Das ist nicht richtig, denn wer von einem Entscheid betroffen ist, soll an diesem Entscheid auch teilhaben können. Für diesen Schritt ist es jetzt Zeit!

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