Jahresbericht 2025

Jahresbericht 2025 der Vorsteherin Direktion Bildung Sport Kultur

«Fange nie an aufzuhören, höre nie auf anzufangen». Dieses Zitat stellte ich meiner Weihnachtskarte an meine Mitarbeitenden in der Direktion BiSK voran. Das Zitat erinnert uns daran, wie wertvoll es ist, gemeinsam in Bewegung zu bleiben- mit Mut, Ideen und Engagement.
2025 war ein erfreuliches Jahr mit einem aussergewöhnlichen Höhepunkt: Thun war Austragungsort des grössten frauenspezifischen Sportanlasses in Europa. Drei Gruppenspiele der UEFA Women’s EURO 2025 wurden in der Stockhornarena ausgetragen und mit der Schweizer Nati vor Ort in Thun wurde grosse Begeisterung für den Frauenfussball geweckt. Sport auf höchstem Niveau, friedliche Fans und eine fröhliche Stimmung verwandelten unsere Stadt in eine internationale Begegnungszone.
Was als Vision begann, entwickelte sich zu einem einzigartigen, unvergesslichen Sportereignis der Spitzenklasse. Der Anlass trug zur lokalen Vernetzung und zum gesellschaftlichen Zusammenhalt bei. Die EURO 2025 ist ein eindrückliches Beispiel dafür, wie durch das gute Zusammenspiel von Behörden, Verbänden, Wirtschaft, Partnerinnen und Partnern, lokalen Vereinen und zahlreichen Freiwilligen ein starkes Kollektiv entstehen kann. Für die Stadtverwaltung bedeutete dieser Event einen Kraftakt. Der Einsatz und das gute Teamwork zwischen den Abteilungen zeigte Wirkung, alle Beteiligten dürfen stolz auf das Ergebnis sein. Dank dem riesigen Einsatz, der Leidenschaft und Professionalität aller Mitarbeitenden konnte sich die Stadt Thun als hervorragende Gastgeberin auf dem internationalen Parkett präsentieren.

So freue ich mich darauf, auch zukünftig mit ausserordentlich engagierten, kreativen und mutigen Mitarbeitenden neue Projekte für eine lebens- und liebenswerte Stadt anzugehen. Packen wir die Chancen, wenn wir sie kriegen!

Bildungsfreundliche Familienstadt

Mit dem neuen Schuljahr definierte die Stadt Thun Schule neu: An der Primarschule Gotthelf können Kinder die Schule erstmals als Ganztagesschule erleben. Drei Tage pro Woche verbringen sie von Morgen bis Mitte Nachmittag in der Schule. Das Angebot startete in zwei jahrgangsgemischten Klassen (1./2. Klasse und 3./4. Klasse). Das Pilotprojekt Ganztagesschule verbindet Unterricht und Betreuung am gleichen Ort und in der gleichen Gruppe und stellt damit die folgerichtige Weiterentwicklung auf dem Weg zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf dar. Gleichzeitig mit dem Pilotprojekt Ganztagesschule wurde in Allmendingen der elfte Tagesschulstandort eröffnet. Räumlichkeiten werden dort gemeinsam durch Kindergarten und Tagesschule genutzt, wodurch wertvolle Synergien entstehen. Die Tagesschule entspricht unbestritten einem Bedürfnis der Familien und ist in der Bevölkerung breit verankert.
Die Digitalisierung schreitet in der Volksschule weiter voran. Nachdem der Stadtrat 2024 den notwendigen Kredit gesprochen hatte, startete nun die Umsetzung von IVS4: Alle 5., 6. und 7. Klassen wurden mit persönlichen iPads und alle Lehrpersonen mit persönlichen Laptops ausgerüstet. Das Projekt beanspruchte die Abteilung IDT und den ICT-Koordinator sehr, wurde aber erfolgreich umgesetzt und stellt eine massive Verbesserung der Lern- und Arbeitsbedingungen in den Schulen dar.
Bis Ende 2026 soll eine breit abgestützte und durch den Gemeinderat verabschiedete Bildungsstrategie für die Volksschule der Stadt Thun vorliegen. Die dafür notwendigen Projektarbeiten wurden im Frühling gestartet und sind auf Kurs. Der partizipative Prozess bindet alle bedeutsamen Anspruchs- und Interessengruppen ein. So fand unter anderem ein Bildungsstrategietag statt, zu dem die Öffentlichkeit via Medienmitteilung eingeladen wurde. Die OS Strättligen wird gesamtsaniert und erweitert. Dem notwendigen Kredit wurde an der Urne mit 83,2% zugestimmt. Die Schulanlage soll 2031 in Betrieb genommen werden. Die Attraktivierung des Aussenraums und der Bau einer Aula wird auch der Quartierbevölkerung einen Mehrwert bringen. Dieses Schulbauprojekt ist das erste einer Reihe von grosszyklischen Sanierungsprojekten, die in Thun anstehen. Damit wird zeitgemässer und attraktiver Schulraum für die nächsten Jahrzehnte geschaffen.

Die ersten Lebensjahre sind für die individuelle und ganzheitliche Entwicklung eines Kindes und für einen erfolgreichen Schulstart von grosser Bedeutung, weshalb der Gemeinderat die Strategie Frühe Kindheit verabschiedet hat. Die Koordinationsstelle Frühe Kindheit wurde aufgebaut. Diese dient als Ansprechstelle und Drehscheibe für alle Akteurinnen und Akteure der Frühen Kindheit. Erste Massnahmen der Strategie wurden umgesetzt und viel Vernetzungsarbeit geleistet. So wurde in Zusammenarbeit mit der Abteilung Soziales das Angebot Hausbesuchsprogramm + gestartet, das Familien in besonders herausfordernden Situationen begleitet und unterstützt. Weiter stehen nun auf der Webseite der Stadt Thun kompakt und übersichtlich Informationen zu Angeboten und Anlässen im Bereich Frühe Kindheit zur Verfügung.
Mit der Ludothek wurde ein Leistungsvertrag abgeschlossen, was die Umsetzung des entsprechenden Postulats aus dem Stadtrat bedeutet. Zudem zieht die Ludothek auf Anfang 2026 in die neuen Räumlichkeiten in der BWG Nünenen um. Die Ludothek wird barrierefrei, liegt optimal gegenüber dem Spielplatz und ist mit dem ÖV gut erreichbar. Die günstige Lage erhöht die Chance, dass die Ludothek Teil eines Begegnungs- und Aufenthaltsortes für die Quartierbevölkerung wird.
Wertschätzung einerseits und Vernetzung andererseits werden gelebt durch verschiedene Veranstaltungen. So werden alle Personen, die sich als Freiwillige in den Schulen und Tagesschulen engagieren, zu einem Nachtessen umrahmt von einem Kulturbeitrag, eingeladen. Als Dank und Anerkennung für die geleistete Arbeit werden die neu pensionierten Lehrpersonen aller Thuner Schulen zu einem Essen eingeladen. Die beiden Bildungstreffen- I für die Volksschulen in der Region, II für die Schulen der Sekundarstufe II und Weiterbildung- dienen dem Austausch und der Vernetzung sowohl zwischen Stadt und Institutionen wie auch zwischen Stadt und Region.

Lebendige Kulturstadt mit grosser Vielfalt

Das kulturelle Angebot ermöglicht die Pflege sozialer Kontakte, den Aufbau von Netzwerken und bietet Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung. Ein vielfältiges Kulturangebot trägt wesentlich zu einer hohen Lebensqualität bei. So leisten kulturelle Institutionen einen wichtigen Beitrag an eine attraktive Stadt Thun. Sie brauchen Planungssicherheit, um ihre Leistung erbringen und ihr Angebot weiterentwickeln zu können. Diese wird den grösseren Institutionen mit Leistungsverträgen über vier Jahre gewährt. In Thun werden das Schlossmuseum, die Stadt- und Regionalbibliothek, das Kunstmuseum mit dem Thun Panorama, die Schlosskonzerte und das Theater in Thun sowohl von den Regionsgemeinden wie auch dem Kanton mitfinanziert. In diesem Jahr konnten die Leistungsverträge mit all diesen Institutionen abgeschlossen werden, neu gehören ab 2025 auch die Bachwochen in diese Kategorie. Der Stadtrat hat weiter den Verpflichtungskredit für die Café Bar Mokka gesprochen, so dass der Betrieb dieses sehr bekannten Thuner Kulturlokals ebenfalls bis 2028 weitergeführt werden kann.

Das Kunstmuseum und das Thun Panorama zeigten auch in diesem Jahr viel beachtete Ausstellungen mit regionaler bis internationaler Kunst. Dazu gehören folgende Höhepunkte: Mit dem Schweizer Giacomo Santiago Rogado hat zum ersten Mal ein Künstler gleichzeitig beide Standorte bespielt. Die Veranstaltungen im Thun Panorama mit Marco Gurtner und Gabi Mooshammer waren sehr erfolgreich, auf unterhaltsame Weise vermittelten die Beiden «Geschichte und andere Geschichten» zum ältesten erhaltenen Rundbild der Welt. Die Ausstellung «Textile Universen» zu Gunta Stölzl und Johannes Itten sowie die Kabinettsausstellung zu Sophie Taeuber waren ein ausserordentliches Erlebnis und ein grosser Erfolg. Insgesamt zählte die Ausstellung über 7’000 Besuchende, was sie zu einer der erfolgreichsten Ausstellungen in Thun macht. Die Rückmeldungen von Publikum und Presse waren ebenfalls sehr positiv, die Gattung der textilen Kunst wurde auf Augenhöhe mit anderen Kunstformen gestellt.

Das KKThun wurde fünf Jahre durch SV (Schweiz) AG betrieben. Auf Ende Jahr kündigte SV den Vertrag mit der Stadt Thun, so dass die Frage nach dem zukünftigen Betriebsmodell beantwortet werden musste. Die Kulturabteilung war bei diesem spannenden, herausfordernden und sehr umfangreichen Projekt im Lead. Der Gemeinderat entschied, den Betrieb des Kultur- und Kongresszentrums in eine stadteigene Aktiengesellschaft auszugliedern. Die notwendigen Arbeiten konnten dank der guten Zusammenarbeit mit allen eingebundenen Abteilungen bewältigt und schlussendlich der Betrieb auf den 1. Januar 2025 erfolgreich an die KKThun Betriebs AG übergeben werden.

Sportstadt mit internationaler Ausstrahlung

Dank der Frauenfussballeuropameisterschaft konnten diverse Förderprojekte realisiert werden, unter anderem ein polysportives Sportcamp für Mädchen oder ein neues Schulsportangebot Fussball für Mädchen. In Zusammenarbeit mit Privaten wurde der Sportsfinder lanciert, eine App, mit der auf einfache Weise die eigenen Vorlieben für Bewegungsangebote und den dafür passenden Verein gefunden werden können. Im Zug der EURO 2025 konnte die Sanierung des Kunstrasenfeldes Burgerstrasse priorisiert und im Herbst den Vereinen übergeben werden. Das neue Kunstrasenfeld leistet einen wertvollen Beitrag an die grosse Nachfrage der Sportvereine nach Trainingsplätzen, insbesondere auch während der Wintersaison, da diese Plätze im Gegensatz zu Naturrasen ganzjährig genutzt werden können.
In Thun fehlt nach wie vor eine moderne Dreifachsporthalle mit Wettkampfinfrastruktur. Der Förderverein Ballsport Region Thun plant deshalb auf privater Basis den Bau einer Ballsporthalle mit 2’000 Sitzplätzen im Sport- und Freizeitcluster Thun Süd. Die Halle soll im Trainings- und Spielbetrieb für verschiedene Ballsportarten wie Handball, Volleyball, Basketball und Futsal sowie für Veranstaltungen genutzt werden. Der Stadtrat gewährte einen Beitrag in Form eines zinslosen Darlehens über 5 Mio. Franken an das Projekt.
Die Sanierung Kunsteisbahn konnte endlich gestartet werden, die erste Etappe ist abgeschlossen. Allerdings geht die Bautätigkeit auch während der Saison weiter. Bauen unter Betrieb, resp. Betrieb mit gleichzeitiger Bautätigkeit ist sehr anspruchsvoll. Mein Dank geht an alle Beteiligten für ihre gegenseitige Rücksichtnahme und das grosse Engagement. Ein besonderes Merci gilt den Verantwortlichen und Mitgliedern der Eissportvereine für ihre Geduld und ihr Entgegenkommen im Trainings- und Spielbetrieb. Es ist vorbildlich, wie sie ihre Arbeit unter den erschwerten Bedingungen weiterführen und insbesondere auch die Bewegungsangebote für Kinder und Jugendliche aufrechterhalten. Gute Aussichten und der Lohn für den besonderen Einsatz: Alle dürfen sich auf die sanierte Anlage freuen, die Ende 2026 in Betrieb genommen werden wird- es kann also nur noch besser werden.

Lebendige Kulturstadt mit Ambitionen

Die Kulturabteilung lancierte ein neues Angebot: Das Fördergefäss Kulturexpress. Der Name ist Programm, Projekteingaben können kurzfristig getätigt werden. Der Kulturexpress ist ein niederschwelliges Angebot, womit einem Anliegen aus der Bevölkerung und Kulturszene entsprochen werden kann. Das Pilotprojekt stiess auf Anklang und soll wieder ausgeschrieben werden.
Die Stadt- und Regionalbibliothek Thun ist ein Zentrum für Bildung, Information, Kultur und Begegnung für alle Bevölkerungsgruppen. Sie dient dem Zweck, die Lese- und Medienkompetenz zu fördern sowie lebenslanges Lernen zu unterstützen. In der Stadtbibliothek dürfen alle verweilen, lesen oder arbeiten. Sie ist ein Ort, wo regelmässig Veranstaltungen für alle Altersgruppen stattfinden, der Zugang ist niederschwellig und bietet ein vielfältiges Programm, auch für Schulklassen. Digitale Angebote werden vermehrt genutzt. «Thun liest ein Buch» wurde in Zusammenarbeit mit «Bern liest ein Buch» wieder aufgenommen und war erfolgreich, das Rahmenprogramm zu «Santa Teresa» von Flurin Jecker gut besucht. Das Format wird im nächsten Jahr weitergeführt. Ebenfalls ein neues Format ist die Unbediente Bibliothek. Das bedeutet, dass die Öffnungszeiten ausgeweitet und einem Bedürfnis der Kundschaft angepasst werden können, indem diese die Ausleihe selbstständig abwickelt.
Der Gemeinderat entschied im Frühling, dass sich Thun um den Titel «Kulturhauptstadt Schweiz 2030» bewerben soll. Die Bewerbung als Kulturhauptstadt ist eine einmalige Chance, für Thun und die ganze Region. Das Vorhaben hat zum Ziel, über den Zeitraum eines Jahres die künstlerische Vielfalt und das kulturelle Schaffen der Stadt und der Region Thun in den Fokus zu rücken und nachhaltig zu stärken. Das Projekt soll lokal verankert sein und zugleich nationale bis internationale Strahlkraft entfalten. Die kulturelle Teilhabe und die Mitwirkung der Bevölkerung wie auch der gesellschaftliche Zusammenhalt werden dabei gefördert. Das Projekt Kulturhauptstadt ermöglicht es, unsere kulturelle Vielfalt sichtbar zu machen. Damit wird nicht nur das kulturelle Leben, sondern auch der Tourismus, die Wirtschaft und das lokale Gewerbe gestärkt, mit positiver Auswirkung auf den ganzen Kanton Bern. Bestehende kulturelle Angebote werden nicht benachteiligt, sondern um ein vielfältiges Programm während des Titeljahres ergänzt. Bereits während der Vorbereitung der Bewerbung zeichnete sich ab, dass das Interesse in der Kulturszene, aber auch in der breiten Bevölkerung und bei Vereinen gross ist, was unter anderem die rege Teilnahme an der Onlinebefragung und die zahlreichen positiven Rückmeldungen und Ideen beweisen. Beim Zuschlag würde das detaillierte Programm zusammen mit den Kulturinstitutionen, den Kulturschaffenden und weiteren Personengruppen verfeinert, auch unter Einbezug der Bevölkerung. Ob es gelingt, den Titel nach Thun zu holen, wird sich im Juni 2026 zeigen- das Motto «Stadt – Land – Fluss» passt auf jeden Fall perfekt zu Thun.

Katharina Ali-Oesch