Besteuerung ohne Rollenbilder

Seit ich politisch aktiv bin, setze ich mich für die Gleichstellung ein: gleiche Löhne, gleiche Rechte und gleiche Chancen. Unterschiede zwischen Menschen aufgrund von Geschlecht oder Lebensform sind für mich nicht nachvollziehbar. Im Laufe meiner politischen Karriere haben wir zwar einiges erreicht, doch in vielen Bereichen sind wir noch nicht dort, wo wir aus Sicht der Gleichstellung sein sollten.

Positiv verändert hat sich die Vielfalt der Lebensmodelle und vor allem deren gesellschaftliche Akzeptanz. Das erfüllt mich mit grosser Genugtuung. Wenn wir am 8. März über die Individualbesteuerung abstimmen, geht es genau um diese Anerkennung der Eigenständigkeit. Es geht darum, dass alle Menschen unabhängig von ihrem Lebensmodell gleich besteuert werden.

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Doppelt verankert – Doppelt sinnvoll

Am 18. Oktober 2025 nominierte mich der SP Regionalverband Thun für eine zweite Legislatur als Grossrätin. Die Gesamterneuerungswahlen des Grossen Rates des Kantons Bern finden am 29. März 2026 statt. Die Nomination freut mich sehr und ich danke den Delegierten an dieser Stelle nochmals für ihr Vertrauen in meine politische Tätigkeit.

Rückblickend stelle ich fest: Trotz des relativ grossen Aufwands macht das Doppelmandat – Gemeinderätin und Grossrätin – durchaus Sinn. In vielen Belangen ist der Kanton der übergeordnete Gesetzgeber, wonach sich dann die kommunale Politik zu richten hat. So sind beispielsweise die Lohnentscheide der Lehrpersonen beim Kanton angesiedelt. In der Sommersession 2025 behandelten wir einen Vorstoss von bürgerlicher Seite, der den Schulleitungen Kompetenzen bei der Beurteilung von Lehrpersonen ohne Lehrdiplom gewähren wollte, was wiederum Einfluss auf die Gehaltsberechnung hätte haben sollen. Als Thuner Gemeinderätin stehe ich der Bildung vor und ich kenne die Arbeitslast der Schulleitungen. Es war mir ein Anliegen, zu verhindern, dass diese zunimmt. Im Namen der SP-Fraktion setzte ich mich in meinem Votum dafür ein, dass «die Anstellungs- und Lohnbedingungen für Lehrpersonen im ganzen Kanton genau gleich und damit rechtsgleich sind. Der Wettbewerb um Personal soll nicht über den Lohn stattfinden, sondern über eigenständige Profile der Schulen.» Der Vorstoss fand im Grossrat zum Glück keine Mehrheit.

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Schule wird zum Lebensraum

Mit dem neuen Schuljahr definiert die Stadt Thun Schule neu: An der Primarschule Gotthelf können Kinder die Schule erstmals als Ganztagesschule erleben. Drei Tage pro Woche verbringen sie von Morgen bis Mitte Nachmittag in der Schule. Das Angebot startet in zwei jahrgangsgemischten Klassen (1./2. Klasse und 3./4. Klasse). Gleichzeitig mit dem Pilotprojekt Ganztagesschule wurde in Allmendingen der elfte Tagesschulstandort eröffnet. Unbestritten entspricht die Tagesschule einem Bedürfnis der Familien und ist in der Bevölkerung breit verankert.

Das Pilotprojekt Ganztagesschule verbindet Unterricht und Betreuung am gleichen Ort und in der gleichen Gruppe und stellt damit die folgerichtige Weiterentwicklung auf dem Weg zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf dar. Mit der Ganztagesschule bietet Thun beiden Elternteilen ein Angebot, das es ihnen ermöglicht, neben der Familienarbeit so weit berufstätig zu sein, dass sie ihre berufliche Karriere weiterführen können.

In einer Ganztagesschule arbeiten Lehr- und Betreuungspersonen sowohl beim Unterricht wie auch bei der Betreuung Hand in Hand. Unterricht, Betreuung und Freizeit gehen ineinander über, was den Kindern Kontinuität und Sicherheit schenkt. In dieser vertrauten Umgebung können sie ihre Persönlichkeit entfalten und sich weiterentwickeln.

Kinder verbringen sehr gerne Zeit mit anderen Kindern, das ist unbestritten. Der verlängerte Aufenthalt in der Schule eröffnet neue Möglichkeiten. Lernen, Spiel, Bewegung und Freizeit bilden ein Ganzes und somit eine natürliche Lernumgebung, innerhalb einer klaren und sinnvollen Tagesstruktur, die ihre soziale Kompetenz fördert und den Zusammenhalt innerhalb der Gruppe stärkt.

Die engere und vielseitigere Zusammenarbeit mit den Lehr- und Betreuungspersonen trägt zudem zu einem intensiveren Vertrauensverhältnis bei. Wie auf Ausflügen oder in Klassenlagern erleben die Kinder in der Ganztagesschule ihre Lehrpersonen nicht nur als Lehrende, sondern auch als Begleitende und Unterstützende. Wächst das Vertrauen in die Lehrpersonen, sind Schüler und Schülerinnen offener, haben den Mut zu Fragen und auf individuelle Bedürfnisse kann besser eingegangen werden.

Die Ganztagesschule ist ein zeitgemässer Schritt, um den Bedürfnissen von Kindern und Familien in der heutigen Gesellschaft gerecht zu werden. Sie verbindet Bildung und Gemeinschaft auf eine Weise, die vernetzt und gleichzeitig klar strukturiert ist. Somit trägt sie dazu bei, dass sich die Schule mit der Gesellschaft und deren Bedürfnissen weiterentwickelt.

So kann die Ganztagesschule zu einem Ort werden, wo nicht nur Leistung, sondern auch Gemeinschaft zählt, wo sich nicht einzelne Kinder in einer Klasse aufhalten, sondern sich eine Gemeinschaft mit ihrer Schule identifiziert. Das halte ich für wichtig und wertvoll – für jedes einzelne Kind und für unsere Gesellschaft.

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Verein(t)

Von «Me sötti» und «Es wär doch guet, wenn…» zu «Mir mache das jetzt!». So entstehen Vereine. Sie verbinden sowohl Gleichgesinnte wie auch Generationen, ermöglichen Begegnungen und machen aus der Nachbarschaft einen Ort mit Freundinnen und Freunden. Gerade bei uns, wo ich immer wieder erfahre, dass Zusammenhalt grossgeschrieben wird und Traditionen mit Stolz gepflegt werden, ist das Wirken der Vereine unverzicht- und unbezahlbar.

Von alleine wird es nicht besser, es braucht das Engagement von Menschen, um etwas zu verändern. Meistens ist es ein gemeinsames Interesse oder Anliegen, das die Menschen in einen Verein führt. Doch ein Verein ist weit mehr als nur ein Hobby. Es ist ein Ort, an dem wir uns einbringen, Verantwortung übernehmen und gemeinsam etwas bewirken können. Hier dürfen wir ausprobieren, Neues wagen und uns weiterentwickeln. Einfach machen! Denn Selbstwirksamkeit beginnt genau dort, wo wir uns trauen, einen Beitrag zu leisten – ob als Trainerin im Juniorenfussball, als Kassier im Fischereiverein oder als Vorstandsmitglied im Quartierleist. Ich habe grosse Achtung vor dem wertvollen Engagement der Vereine und sage dafür «Danke schön».

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Tag der Nachbarschaft

Kennst du deine Nachbar*innen schon? Wenn du diese Frage mit einem gewissen Zögern beantwortest, bietet dir der 23. Mai 2025 Gelegenheit, das zu ändern. Dann findet in Thun der Tag der Nachbarschaft statt. Klar, Nachbar*innen haben wir – einfach so. Und eigentlich funktionieren Nachbarschaften in Thun ja sehr gut. Wozu also ein Tag der Nachbarschaft?

Der Tag der Nachbarschaft soll die Bevölkerung animieren, aktiv auf ihre Nachbar*innen zuzugehen und sie kennen zu lernen. Zu einem intakten Wohnumfeld gehören Menschen, von denen man mehr weiss als nur den Namen. Denn eigentlich ist es ganz logisch: Je besser wir unsere Nachbar*innen kennen, umso leichter kommen wir mit ihnen ins Gespräch und unterstützen uns gegenseitig. Das beginnt mit dem fehlenden Zucker, den wir uns einen Stock höher oder tiefer ausleihen. Schon ein bisschen weiter geht es mit dem Pflanzengiessen während der Ferien, denn da händigen wir ja den Wohnungsschlüssel aus. Das tut nur, wer vertraut, und dazu braucht es mehr als ein «Hallo» im Treppenhaus. Einen Tag der Nachbarschaft eben.

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Für Thun ist nach der EURO vor der EURO!

Wenn am 2.Juli 2025 das erste von drei Spielen der Women’s EURO 2025 in der Stockhorn Arena angepfiffen wird, hat die Politik bereits einiges umdribbelt. Beinahe wurden wir ins Offside gedrängt, doch das liessen wir nicht zu. Über die Parteigrenzen hinweg setzten wir uns auf allen politischen Ebenen erfolgreich für die nötigen Fördergelder ein. Ich freue mich, dass es am 2. Juli in der Stockhorn Arena heisst: Bühne frei für den Frauenfussball!

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Kultur schafft Stärke und Toleranz

Kultur schafft Stärke und Toleranz.
Kennen Sie diesen fast magischen Moment, wenn am Ende eines Konzerts Applaus den Raum erfüllt, sich Publikum und Musiker:innen vereint fühlen und alle Anwesenden für einen kurzen Moment den Alltag vergessen?

Ähnlich verbindend ist der Augenblick, wenn ich neben einem mir unbekannten Menschen vor einem Gemälde stehe. Still gebe ich mich meinen Gedanken hin, ahnend, dass das Kunstwerk auch die Person neben mir berührt. Wer Kultur schafft, unabhängig von ihrer Ausrichtung, schafft gleichzeitig eine Verbindung zwischen den Menschen, kurze Momente der gemeinsamen Freude und Raum für den Austausch.

Kultur bedarf einer Bühne, um die Menschen zu erreichen, denn während Kultur keineswegs nur in den urbanen Zentren geschaffen wird, bieten Städte oft die notwenige Infrastruktur, die als Brücke zwischen Kulturschaffenden und Publikum dient. Indem im Oktober an der Thuner Kulturnacht die Innenstadt zur Bühne der Kulturschaffenden aus der gesamten Region Thun wurde, zog sie ein Publikum von weit her an. Ich pries in meinem Programmvorwort diese verbindende Kraft der Kultur. Kultur wird zwar unbestritten konsumiert, doch darüber hinaus hebt die gemeinsame Begeisterung jene Grenzen auf, die im Alltag zwischen den Menschen bestehen.

Buchstäblich eine Bühne – manchmal gar der erste Bühnenauftritt – bietet Café Bar Mokka, dessen Strahlkraft und guter Ruf weit über die städtischen und regionalen Grenzen hinaus wahrgenommen werden. Nicht umsonst erhielt diese wertvolle Institution im August den Kulturpreis der Burgergemeinde Bern für ihren Beitrag «zur kulturellen Vielfalt im Kanton Bern». Die Bühne fungiert als Sprungbrett über die regionalen Grenzen hinaus. 

Doch es muss nicht immer das urbane Zentrum sein. Die Kulturlandbühne zeigte in diesem Sommer eindrücklich, dass manche Kulturprojekte alles andere als eine urbane Bühne benötigen. Unzählige freiwillige Helfende machten es möglich, dass 8500 Menschen die Vorstellungen in Schwarzenegg besuchen konnten. Die Förderung von Kulturprojekten in der Region durch die Stadt Thun ist eine wichtige Aufgabe, denn auch hier verbinden Projekte Menschen – Besuchende, Helfende, Kulturschaffende. Aus dieser Verbindung entstehen Stärke und Toleranz. Davon bin ich persönlich überzeugt und dafür setze ich mich ein.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen fulminanten Rutsch und alles Gute im neuen Jahr. Ich freue mich auf kulturelle Projekte in der Stadt und der Region – gemeinsam mit Ihnen will ich offen und neugierig bleiben!

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Eine linke Vertretung aus dem Berner Oberland – meine Wahlempfehlung

22. Oktober: nationale Wahlen. Auch in Thun ist die SP-Kampagne in vollem Gange. Die Kandidierenden und engagierte Mitglieder legen sich auch diesmal wieder ins Zeug und bringen den Wähler:innen die SP-Anliegen näher.

Die aktuelle SP-Vertretung im National- und Ständerat macht ihre Arbeit mit grossem Fachwissen und Engagement. Daran besteht kein Zweifel. Und doch schmerzt es mich, dass das linke Berner Oberland auf der nationalen Politbühne nicht vertreten ist. Denn obwohl die SP-Anliegen durchaus auch das Oberland betreffen, ist «bei uns» gleich halt doch ein bisschen anders. Eine linke Vertretung aus dem Oberland täte der SP aus meiner Sicht gut.

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JA zur Elternzeit

Am 18. Juni stimmen wir über die kantonale Elternzeit-Initiative ab. Ich engagierte mich bereits für die Unterschriftensammlung, weshalb meine Haltung klar ist: Ich schreibe ein überzeugtes JA auf den Stimmzettel.

Als meine beiden Söhne geboren wurden, blieb ich auch als Mutter berufstätig, denn es war mir wichtig, dass mich meine Söhne nicht nur als ihre Betreuungsperson wahrnahmen, sondern auch als Menschen, der ausserhalb der Familie Verantwortung übernahm. Zudem erlebten und erleben meine Söhne, dass Familienarbeit auch vom Vater erledigt wird.
Das sind zwei wichtige Gründe, die aus meiner Sicht für die kantonale Elternzeitinitiative sprechen. Mit der heutigen Regelung wird ein altes Rollenverständnis zementiert, denn Erwerbs- und Familienarbeit stellen zwei Aufgaben dar, die einen hohen bis sehr hohen Einsatz verlangen. Gewährt das Gesetz dem Vater bei der Geburt eines Kindes 2 Wochen, der Mutter 14 Wochen Urlaub, führt das verstärkt dazu, dass nach altbekanntem Muster verfahren wird. Nach der Geburt des ersten Kindes arbeitet der Vater 80-100% weiter, die Mutter kümmert sich in der Regel zu einem grossen Teil um die Familienarbeit. Somit wachsen Kinder mit diesem Rollenverständnis auf: Die Mutter kümmert sich um die Familie, der Vater ums Geld. Und daraus manifestiert sich die Überzeugung: Mütter können Familienarbeit besser. Was natürlich rational betrachtet völliger Unsinn ist! Was Mütter können, können Väter mindestens genauso gut.

Hier setzt die Elternzeit-Initiative an. Indem wir den ELTERN mehr Zeit für ihr Kind geben, erleichtern wir den MÜTTERN die Rückkehr ins Berufsleben. Wer nach 14 Wochen Mutterschaftsurlaub ins Berufsleben zurückkehren will oder muss, der weiss, wie belastend das psychisch und physisch ist. 14 Wochen genügen nicht, damit sich der Körper von den Strapazen der Schwangerschaft und Geburt erholen kann. Die ersten Monate nach einer Geburt lassen jeglichen Alltagsrhythmus vermissen und beschäftigten die Eltern beziehungsweise den betreuenden Elternteil rund um die Uhr. Und mit der heutigen Regelung ist dies meistens die Mutter. Aus diesem «Chaos» heraus nach 14 Wochen in den durchgetakteten Berufsalltag zurückzukehren, bedeutet eine grosse Belastung. Deshalb reduzieren viele Frauen ihr Pensum, geben irgendwann auf oder wagen es überhaupt nicht, was wiederum zu tieferen Renten führt.

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Mein Nein zur Abschaffung der Stempelsteuer

Am 13. Februar stimmen wir über die Stempelsteuer ab, genauer gesagt über die Emissionsabgabe als eine von drei Stempelabgaben. Doch was ist das überhaupt? Die Emissionsabgabe fällt an, wenn eine Firma gegründet oder vergrössert werden soll, indem dieses Unternehmen z.B. Aktien oder Genossenschaftsanteile ausgibt. Sie beträgt 1%. Und sie fällt nur an, sofern die Firma bereits über mehr als 1 Mio Franken Eigenkapital verfügt. Stempelabgaben entsprechen im Finanzbereich der Mehrwertsteuer, die wir für unseren Konsum bezahlen.

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