Rund um Thun von A-Z

UETENDORF/
Juni 2021 Besuch bei Gemeindepräsident Albert Rösti Albert Rösti führt mich zu Fuss vom Büro aus an seinen Lieblingsort: zum Bänkli am alten Kirchweg oberhalb des Hofes Rosinli. Von diesem Platz aus bietet sich eine prächtige Aussicht über die Gemeinde hinunter auf die Allmend bis zur Aare, auf den Thunersee und das Alpenpanorama lässt sich in der ganzen Breite vom Stockhorn bis zum Eiger bewundern. Hier sind wir nicht weit weg von seinem Zuhause und Albert macht auf einem Abendspaziergang gerne Rast auf dem Bänkli. Der alte Kirchweg ist ein schmaler Fusspfad, der nach Thierachern zur Kirche führt. In Uetendorf gibt es nämlich erst seit 1956 eine Kirche, gestiftet von Otto Lädrach, einem Uetendorfer, der Privatsekretär eines Amerikaners namens William Maul Measey war. Der Gemeindepräsident berichtet mir von der Legende, dass Measey nur wegen der Weigerung von Lädrach, Billette für die Überfahrt nach Amerika zu organisieren, nicht auf dem Unglücksschiff «Titanic» war. Aus Dankbarkeit schenkte Measey Lädrach Geld, mit dem dieser das Land für die Kirche und den Friedhof kaufte.
Auch Albert Rösti selber ist eine sehr bekannte Persönlichkeit, schliesslich ist er Nationalrat und war während Jahren Präsident der SVP Schweiz. Auf die Frage, warum er denn Gemeindepräsident sei, antwortet er, dass die Arbeit für die Gemeinde konkrete und unmittelbare Wirkung auf die Menschen habe. So könne er seinen Beitrag für das Gemeinwesen leisten und in direktem Kontakt mit den BürgerInnen Uetendorf weiterbringen.
Der Job des Gemeindepräsidiums ist mit 40% dotiert, was ausreichend sei, die Aufgabe verlange aber sehr viel Flexibilität. Zusammen mit dem Mandat als Nationalrat sei das Amt des Gemeindepräsidenten eine optimale Kombination. Die beiden Ämter böten Herausforderungen auf sehr unterschiedlichen Ebenen, aber gleichzeitig sei dies eine wertvolle Abwechslung. Albert Rösti schätzt die professionelle Verwaltung, jede Leitungsfunktion sei mit Stellvertretung besetzt. Zudem funktioniere der Gemeinderat gut, was die Arbeit angenehm mache. Die direkte Demokratie spiele vorbildlich: entgegen dem Willen des Gemeinderats, das Hallenbad zu schliessen, wird dieses nach dem Entscheid durch die Gemeindeversammlung nun saniert. Die Sprechstunde des Gemeindepräsidenten werde genutzt, um vorwiegend persönliche Anliegen zu besprechen. Er erhalte mehrheitlich positive Rückmeldungen und Dank, das Negative werde auf unpersönlichen Kanälen deponiert.
Albert Rösti definiert Uetendorf mit ca. 6’000 Einwohnenden als mittelgrosses Dorf, überschaubar, mit hoher Lebensqualität auch wegen der Nähe zur Stadt Thun. Das Dorf profitiere vom Zentrumsangebot und das Einvernehmen mit der Stadt sei gut. Ein Vorteil sei die Anbindung mit der Bahn direkt nach Thun und nach Bern. Uetendorf hat auf der Allmend viele KMU’s, die sich auf dem ehemaligen Areal der Selve angesiedelt haben, der tiefe Steuerfuss trägt ebenfalls bei zu einem attraktiven Wirtschaftsstandort.

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Feministische Anliegen sichtbar machen

Wäre das Jahr 2019, würde ich schreiben: Ab 15.24 Uhr arbeiten Frauen gratis. Doch es ist das Jahr 2021 und ich muss schreiben: Ab 15.19 Uhr arbeiten Frauen gratis. Nicht freiwillig natürlich, sondern infolge der Lohndifferenz. Aus diesem Grund ruft das Feministische Kollektiv Thun – Berner Oberland alle Frauen dazu auf, am 14. Juni um 15.19 Uhr kurz innezuhalten und ihr Umfeld auf diese Ungerechtigkeit aufmerksam zu machen. Denn egal, ob 15.24 oder 15.19, die Lohngleichheit muss endlich her!
Ein Fest zum Frauen*streik wie 2019 wird es in diesem Jahr in Thun keines geben, doch das Rathaus wird am 14. Juni ein drittes und letztes Mal violett beleuchtet. Ich gehe auf jeden Fall hin und geniesse das feministisch gefärbte Gebäude. Denn mehr feministische Power würde der Thuner Politik nicht schaden. Ende letztes Jahr organisierten sich alle Thuner Stadträtinnen überparteilich und verfassten einen Wunschzettel für Anlässe zum 50. Jubiläum des Frauenstimmrechts. Ich freute ich sehr über die stärkende Energie über die Parteigrenzen hinweg. Als ich unsere Pläne in die Präsidienkonferenz (bestehend aus Stadtratsbüro, also 3er-Präsidium und Stimmenzähler, sowie Fraktionspräsidien) trug, fielen die Reaktionen zurückhaltend aus. Ich bin überzeugt, wäre ich nicht die einzige Frau in diesem Gremium, wäre dem Anliegen mehr Aufmerksamkeit gewiss gewesen. Die Stadträtinnen wollten das Jubiläumsjahr öffentlich sichtbar und erlebbar machen, doch die Unterstützung der Stadt fiel eher enttäuschend aus. Wir geben jedoch nicht auf: Es wird eine Weiterbildung für Frauen in der Politik geben und an einem Marktstand wollen wir den Kontakt zu jungen Frauen suchen und sie dafür begeistern, in die Politik einzusteigen. Weiter werden wir die Mädchen an den Thuner Oberstufenschulen besuchen, um ihnen die Geschichte vom Weg zur Gleichberechtigung zu erzählen und sie zu bestärken, diesen weiterzugehen.

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Rund um Thun von A-Z

THIERACHERN/
Mai 2021 Besuch bei Gemeinderatspräsident Sven Heunert Sven Heunert hat keinen Lieblingsort, am liebsten ist er nämlich in Bewegung, ganz getreu seinem Pfadinamen «renard agité». Dieser Name sagt auch gleich, dass der Präsident ursprünglich aus der Westschweiz stammt. Bemerkenswert ist, dass die junge Familie Heunert vor 15 Jahren eigentlich nicht nach Thierachern ziehen wollte, weil zu fest am Hang und zu weit weg von der Stadt. Nun ist Sven Heunert hier mit Leib und Seele Gemeinderatspräsident und auch seine Familie ist glücklich im Westamt.

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Rund um Thun von A-Z

AMSOLDINGEN/
April 2021 Besuch bei Gemeindepräsident Stefan Gyger: Ich treffe den Gemeindepräsidenten Stefan Gyger an seinem Lieblingsort, der Mehrzweckanlage. Dies sei zwar nicht der schönste Ort in der Gemeinde, aber der Treffpunkt der Dorfbewohner:innen und somit das Herzstück des Dorfs. Hier begegnen sich Jung und Alt, die Vereine sind aktiv, es werden öffentlichen Anlässe durchgeführt und Feste gefeiert und bald soll auch die Schule wieder hier einziehen.
Stefan Gyger ist seit 2013 Gemeindepräsident und lobt die Amsoldinger:innen für den Zusammenhalt und ihr vorbildliches Verhalten während der Corona-Pandemie. Einzig die vielen Spaziergänger:innen hätten zwischenzeitlich die Sperrung der öffentlichen Parkplätze nötig gemacht. Kein Wunder, dass so viele Leute herkommen, denn Amsoldingen liegt am Jakobsweg und ist wirklich einen Besuch wert: Die Lage am Fuss des Stockhorns, der prächtige Rundblick von der Hohlinde, der See, die tausendjährige Kirche, das Schloss, das Naturschutzgebiet Schmittmoos und die Tropfsteinhöhlen im Glütschbachtal sind wunderschön.
Als Gemeindepräsident ist Stefan Gyger direkte Ansprechperson für die ungefähr 800 Einwohner:innen. Die Gemeinde funktioniere gut, sei aber auch immer wieder gefordert. Aktuell gehe es um den Umzug der Schule mit Kindergarten in die Mehrzweckanlage, denn die Sanierung des alten Schulhauses sei nicht mehr vertretbar. Der Bau einer 5G-Antenne auf öffentlichem Grund ist wegen Einsprachen vorläufig blockiert, dafür habe Amsoldingen noch Bauland und könne sich entwickeln. Gyger rechnet daher mit einem leichten Bevölkerungswachstum. Es bestehe auch Bedarf für eine direkte Fussverbindung von Allmendingen zur Steghalten.
Die Beziehung zur Stadt Thun sei gut, Probleme gehe man gemeinsam mit den umliegenden Gemeinden an. Der Gemeindepräsident nimmt mich mit ins Glütschbachtal und zeigt mir, wo der Biber am Werk ist. Schön für die Biodiversität, aber herausfordernd für den Unterhalt von Wald und Strasse, denn es gibt immer wieder Überschwemmungen. Die gesetzlich geschützten Biber leben auf Amsoldingerboden, die Auswirkungen betreffen aber auch Thun auf der anderen Strassenseite. Stefan Gyger erzählt mir von der Idee, hier ein Biber-Paradies zu schaffen. Auch mir gefällt der Gedanke eines Naturschutzgebiets. Es ist also eine gemeindeübergreifende Lösung mit dem Kanton gefragt.
An diesem Beispiel offenbart sich die Vielfältigkeit des Amts als Gemeindepräsident. Die Fäden laufen bei ihm zusammen, er muss auf die Verwaltung und den Gemeinderat zählen können. Zudem sei es hilfreich, in der Region gut vernetzt zu sein. Die Parteizugehörigkeit, in seinem Fall die SVP, spiele dabei eine untergeordnete Rolle. Stefan Gyger arbeitet Vollzeit als Leiter der Hauptagentur Emmental Versicherung in Thun. Sein Pensum für die Gemeinde beträgt zwischen 15 bis 30%, je nach Bedarf auch mehr, selten weniger. Nicht einfach, Beruf, Familie und Politik zu vereinbaren, doch die Ausübung des Amts macht dem Amsoldinger Gemeindepräsidenten ganz offensichtlich Freude.

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Vom Frauenstimmrecht zum Stimmrecht für alle

Ich bin 1970 geboren, mir wurde das Stimmrecht buchstäblich in die Wiege gelegt. Insofern war es für mich kein Recht, wofür es zu kämpfen galt, sondern ich wuchs mit der Überzeugung auf, dass es so «richtig» sei.

Ganz anders für die Generation meiner Mutter. Ein Recht wird einem erteilt. Und gegen das Frauenstimmrecht wehrten sich die Männer – denn sie hatten darüber zu entscheiden – in der Schweiz bekanntlich besonders lange. Das war in Thun nicht anders. Gerade die SP-Frauen fielen als unermüdliche Aktivistinnen auf, die keine Mühe scheuten. Sie waren hartnäckig, kreativ und zuversichtlich. Selbst die Themen sind damals wie heute offenbar die gleichen geblieben: Umweltschutz, Stärkung und Vernetzung der Frauen für die politische Arbeit, Jugendarbeit, Gleichstellung, Unterstützung für ein selbstbestimmtes und würdiges Altwerden.

Für mich stellte die Nicht-Wahl in den Bundesrat von Christiane Brunner und die anschliessende Wahl von Ruth Dreifuss den politischen Aufbruch dar. Heute trage ich die Sonnenbrosche voller Stolz, denn sie erinnert mich daran, dass wir es nicht zulassen dürfen, dass wir übergangen werden.

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Neues Jahr, neue Ämter

Mein politisches Jahr begann erfreulich. Am 18. Januar sprach mir die SP-Fraktion das Vertrauen aus und wählte mich zu ihrer neuen Fraktionspräsidentin. An der Stadtratssitzung vom 23. Januar 2021 wählte mich zudem der Thuner Stadtrat zur 1. Vize-Stadtratspräsidentin. Die Wahl in beide Ämter freut mich, sie sind ein Zeichen der Wertschätzung meiner bisherigen politischen Tätigkeit.
Als Fraktionspräsidentin will ich die drängenden Fragen und Herausforderungen in unserer Stadt sachlich angehen und tragfähige Lösungen zum Wohl der Menschen in Thun finden. Es ist nachvollziehbar, dass in einer Fraktion unserer Grösse unterschiedliche Meinungen vertreten sind. Gerade deshalb ist es mir wichtig, dass der offene Meinungsaustausch auf einer sachlichen Ebene geführt wird und die Lösungsfindung – und nicht die persönliche Befindlichkeit – jeweils im Mittelpunkt steht. Ich habe mich in der Vergangenheit in verschiedenen Komitees für Gemeindeabstimmungen engagiert und kenne die Herausforderung, unterschiedliche Ansprüche zu einem «Gemeinsamen» zu vereinen. Wenn wir für die Stadt Thun und nicht nur in der Stadt Thun politisieren wollen, müssen wir dies als starke Fraktion tun. Ich freue mich auf die gemeinsame Arbeit und danke der SP-Fraktion für ihr Vertrauen.
Dass mich der Stadtrat zur 1. Vizepräsidentin wählte, war am 22. Januar natürlich ein Nebenschauplatz, die gesamte Aufmerksamkeit galt bei der Wahl völlig zu Recht dem neuen Stadtratspräsidenten Roman Gugger, dem ich an dieser Stelle nochmals herzlich gratuliere. Und doch stehe ich als 1. Vizepräsidentin nun in «den Startlöchern» und wenn alles gut läuft, wird 2022 mein Jahr als Stadtratspräsidentin. Darauf freue ich mich natürlich heute schon sehr. Mein Engagement als Politikerin verstehe ich als Engagement für die Menschen. Mein Stadtrats-Amt ermöglicht es mir, mich aktiv an der Entwicklung Thuns zu beteiligen, wobei stets die Lebensqualität aller Thuner*innen im Fokus stehen muss. Ich bin fest entschlossen, mich dafür auch in Zukunft einzusetzen.

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Rund um Thun von A-Z

MAKING-OF/
Dezember 2020: Es ist Zeit zum Danke sagen: ein grosses Merci für das virtuelle Mitwandern RUND UM THUN VON A-Z! Eure Reaktionen und Kommentare haben mich riesig gefreut und meinen Horizont erweitert.
Ein grosser Dank geht auch an meine Familie. Der Mann hinter der Kamera hat mich auf jeder Etappe begleitet, die Jungs waren etwas wählerischer. Die gemeinsamen Sonntagsausflüge machten Spass, waren teilweise recht abenteuerlich, boten viele wunderbare Aussichten und Einblicke, weckten unsere Neugier, forderten und förderten die Orientierung, brachten uns manchmal ins Schwitzen, boten aber auch Abkühlung und Erholung in der Natur. Auch der Genuss kam nicht zu kurz, sei es beim Bootfahren, Beerensammeln oder Cervelatbräteln.
Es gibt die eine oder andere kleine Geschichte hinter den Kulissen. So liegt unser Feldstecher leider irgendwo im Choleregrabe. Beim Klettern am Bort muss er aus dem Rucksackfach gefallen sein.
Ein nettes Gespräch auf der Gibelegg zeigte uns auf, was das Leben im Grenzgebiet von zwei Gemeinden bedeuten kann. Grenzen sind oft willkürlich und können im Alltag ganz unlogische und komplizierte Auswirkungen haben, zum Bespiel auf den Schulbesuch der Kinder.
Die Grenzüberschreitung im wahrsten Sinne des Wortes auf dem Strättlighügel hatte glücklicherweise keine unangenehmen Folgen, sondern führte zu einem freundlichen Austausch mit der Grundeigentümerin.
Zu guter Letzt machte ich kürzlich die Entdeckung, dass roter Farbstift nicht nur die Grenze auf meiner Thun-Karte markiert, sondern mein Vater dasselbe vor langer Zeit genau gleich gemacht hat. Er hat «seine» Gemeinde Unterlangenegg mit rotem Farbstift umrandet.

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Frauenrechte sind Menschenrechte

Der 10. Dezember ist der Tag der Menschenrechte, deren erster Artikel mit den Worten beginnt: «Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren.»

Nicht zufällig enden heute die «16 Tage gegen Gewalt an Frauen*», die am 25. November mit der internationalen Aktion «Orange the World» ihren Anfang nahmen, als weltweit städtische Wahrzeichen orangefarben beleuchtet wurden. Orange bedeutet Gefahr, das kennen wir alle. Gleichzeitig gilt Orange als die Farbe der Kommunikation. Mit dieser Farbe soll dazu aufgefordert werden, miteinander zu reden und Konflikte auszudiskutieren, statt Gewalt anzuwenden.

Am 1. April 2018 trat die Istanbulkonvention für die Schweiz in Kraft. Sie ist das Übereinkommen des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt und gilt als das umfassendste internationale Übereinkommen, das sich die Bekämpfung dieser Art von Menschenrechtsverletzung zum Ziel setzt.

Davon ausgehend haben während zweier Jahre acht Frauenorganisationen in Thun und dem Berner Oberland unter dem Titel «We stand up for women» an acht Anlässen ein Zeichen gegen Gewalt an Frauen gesetzt. Denn auch bei uns sind Frauen heute noch geschlechterspezifischer Gewalt ausgesetzt. Das Thema der häuslichen Gewalt, deren Opfer mehrheitlich Frauen sind, rückte gerade im Frühling im Zusammenhang mit dem Lockdown vermehrt ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Die Dunkelziffer ist hoch und die Betroffenen sind auf unsere Unterstützung angewiesen.

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Rund um Thun von A-Z

ETAPPE 11 /
November: Zwieselberg 2,14 km.
Die letzte Etappe beginnt mit der Suche nach dem Grenzpunkt Thun-Spiez-Zwieselberg. Dafür muss ich zuerst die Kander überqueren und dann hinunter in die Schlucht, um ans Wasser zu kommen. Das geht nicht ohne grösseren Umweg, deshalb bin ich heute mit dem Velo unterwegs.Die Fahrt geht ins Hani und von da über die Brücke hinüber in die Erlematte. Der Gitterrostboden der Hanibrücke, auch «Bschüttistäg» genannt, lässt einen hier direkt 35 m tief hinunter auf die Kander blicken- nichts für Menschen mit Höhenangst. Weiter geht’s bis zur Autobahn und dieser entlang Richtung Thun zurück und hinunter an die Kander.
Ein kleines Stück weiter flussaufwärts von der Autobahnbrücke liegt der Grenzpunkt direkt an der Kander. Hier ist ein wunderschöner Ort: das Wasser ist kristallklar und fliesst ruhig in Richtung Thunersee. Ich verweile mit meinen Begleitern eine Weile in der Schlucht und wir sinnieren über den Kanderdurchstich von 1713, der die Landschaft von hier bis hinunter nach Uttigen nachhaltig verändert hat. Und in den 1870er Jahren die Aarekorrektur sowie vor gut 10 Jahren den Bau des Hochwasserentlastungsstollen in Thun nötig machte. Wasser besitzt eine unbändige Kraft, es ist eine Urgewalt.
Die Felswand, das Chanderbort, türmt sich hoch auf. Es ist unmöglich, hier der Grenze zu folgen. Also gehen wir zurück bis zur Schlyffi, die sich kurz vor der Autobahnbrücke befindet und auf deren Rückseite der Glütschbach fliesst. Hier geht es links weg von der Hauptstrasse und der Autobahn entlang. Auf der anderen Seite steht hoch oben die Strättligburg. Trotzdem ist es nicht sehr romantisch, dafür ist der Lärmpegel zu hoch. Die Grenze führt durch den Wald und kommt dem Glütschbach immer wieder nahe oder kreuzt ihn an einer Stelle für ein kurzes Stück. Weiter geht es bis zur Alten Schlyffi. Der Glütschbach fliesst beinahe durch das Haus hindurch. Die Kander trieb hier bis zu ihrer Verlegung die Räder zum Messerschleifen an. Das Gebäude verlor dann seinen Zweck im Zuge der Kanderkorrektur. Das letzte Stück meiner Thun-Umrundung führt durch das Glütschbachtal. Der Wald heisst Chandergrund und Obere Chandergrienwald, auf der anderen Seite der Autobahn ist die Cheibenau. Romantisch tönt das nicht, aber hier am Glütschbach ist es sehr idyllisch.

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Ein JA zum Anstand

Gleich zwei Fahnen für die Konzernverantwortungsinitiative hängen an unserem Gartenzaun. Die Zustimmung bei uns im Haus ist also gross.
Die Konzernverantwortungsinitiative bildet für mich den Begriff Nachhaltigkeit eindrücklich ab, denn sie verlangt den Einklang von Menschen, Umwelt und Wirtschaft – selbstverständlich auf der ganzen Welt.
Mit Logik ist ja nicht zu erfassen, warum für Schweizer Konzerne im Ausland nicht gelten soll, was hierzulande gilt. Kinder, die zu Kinderarbeit gezwungen werden, sind auch im Ausland Kinder, die zu Kinderarbeit gezwungen werden. Es spielt auch absolut keine Rolle, durch welche Gegend ein vergifteter Fluss fliesst. Ist der Verursacher der Umweltkatastrophe ein Schweizer Konzern, soll er in der Schweiz dafür zur Rechenschaft gezogen werden können. Denn Umweltschutz und Menschenrechte hören nicht an der Grenze unseres kleinen Landes auf.
Schweizer Grosskonzerne wie Syngenta, Glencore oder der Metallkonzern IXM dürfen nicht auf Kosten von Menschen und Umwelt Riesengewinne erzielen, während wir unser kleines Gärtchen «Schweiz» hegen und pflegen und so tun, als sähen wir nicht, was ausserhalb des Gartenzauns geschieht.

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